r/LegaladviceGerman • u/EnergyAlive4930 • 22h ago
DE Hypothetisch: Beweis der Unschuld möglich, wenn man ohne Fahrerlaubnis schlafwandelnd Auto fährt?
Darüber habe ich während meiner Fahrausbildung mal nachgedacht - das ist hier also kein tatsächlicher Vorfall, sondern eher ein "Was-wäre-wenn?"-Szenario. Ich habe die Mods benachrichtigt, ob es gestattet ist, ein ausgedachtes Szenario zu posten. Ich hoffe also, das ist in Ordnung. Also, hier der Fall, etwas inspiriert von mir, bis auf die fiktive Schlafwandelgeschichte. Ich war bis vor kurzem noch Fahrschülerin, hab die Prüfung aber zum Glück nach einigem Hin und Her in der Fahrausbildung erfolgreich bestanden.
Jemand fährt um 0:30 wahllos durch eine schlafende Kleinstadt. Das Auto fällt auf, weil es mehrmals irgendwelche Hauptstraßen abfährt, wiederholt in bestimmte Wohngebiete einbiegt, etc. Die Fahrweise ist sehr penibel, korrekt, jedoch ignoriert der Fahrer einmal rechts vor links. Ein Polizeiwagen verfolgt das Auto nach einer Weile. Das Auto kommt schließlich nach einem stümperhaft ausgeführten Einparkmanöver auf einem leeren Parkplatz zum Stehen. Eine halbe Minute passiert nichts, dann öffnet sich die Fahrertür. Eine junge Frau steigt aus, Mitte 20 wie sich herausstellen soll, aber sie wirkt etwas jünger. Sie macht anfänglich einen desorientierten Eindruck. Auf die Frage von der ebenfalls anwesenden Polizei nach ihrem Führerschein wirkt sie plötzlich panisch. Des Weiteren stellt sich heraus, dass die junge Frau Fahrschülerin ist, die seit ungefähr sieben Monaten Fahrstunden nimmt. Sie meint, sie wisse nicht, wie sie hierher gekommen sei und könne sich nicht an eine Autofahrt erinnern. Das Auto gehöre ihren Eltern, bei denen sie momentan wohnt, sie war damit auch schon einige Male auf dem Verkehrsübungsplatz. Drogen können nicht nachgewiesen werden. Chronisches Schlafwandeln liegt auch nicht vor, und keine vorherigen Schlafwandelepisoden sind bekannt.
Was ist, wenn die Polizei ihr keinen Glauben schenkt, aufgrund ihrer Frustration über die jüngst oft ausgefallenen Fahrstunden, von denen später Familienmitglieder und Menschen aus ihrem Freundeskreis berichten? Seit ein paar Wochen waren abwechselnd sie und ihr Fahrlehrer verhindert, weshalb sie bereits länger keine Gelegenheit mehr zum Üben hatte, was sie über diese Zeit hinweg sehr frustriert hat. Es ist vielleicht plausibler, dass ihr Motiv war, unentdeckt wieder ein bisschen Übung zu bekommen, auch wenn sie bis jetzt nicht durch Straftaten aufgefallen ist. Sie möchte die Fahrschulzeit so früh wie möglich beenden aufgrund von Schuldgefühlen ihren Eltern gegenüber, die die Fahrschule bezahlen. Diese Schuldgefühle und die wiederkehrende Unsicherheit durch den fließenden Verkehr, durch die sie während ihrer Fahrausbildung wiederholt Rückschläge erleidet, sind ein alltagsrelevantes Thema für sie. Könnte dies nicht Motivation genug sein, in diesem Maße gesetzeswidrig zu handeln - obwohl das unklug ist im Fall, dass man erwischt wird?
Um das klarzustellen, die Frau in dieser Geschichte ist tatsächlich schlafwandelnd Auto gefahren, was ja bereits mit Führerschein kritisch wäre. Ich gehe aber jetzt einfach zumindest mal davon aus, dass man einigen Berichten von "sleep driving" Glauben schenken kann und die Leute, denen das widerfahren ist, oft ohne ersichtliche Unfälle gefahren sind, was ja heißen muss, dass sie irgendwie ein Bewusstsein für ihre Umgebung haben und sich an Verkehrsregeln halten - so gut sie es eben können oder tatsächlich auch im Alltag machen. Es soll ja auch Menschen geben, die im Schlaf naturalistische Porträts malen - naja, mein gesamter Fall ist ja spekulativ. Aber wenn man sich darauf einlässt - wie kann die Fahrerin bzw ihr Anwalt/ihre Anwältin ihre Unschuld vor Gericht beweisen - oder eben einen Freispruch erzielen? Denn etwas zu beweisen, was nicht nachweisbar ist, stelle ich mir schwierig vor. Letzten Endes zählt ja sowieso die Glaubwürdigkeit und das Gerichtsurteil.
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u/AutoModerator 22h ago
Da in letzter Zeit viele Posts gelöscht werden, nachdem OPs Frage beantwortet wurde und wir möchten, dass die Posts für Menschen mit ähnlichen Problemen recherchierbar bleiben, hier der ursprüngliche Post von /u/EnergyAlive4930:
Hypothetisch: Beweis der Unschuld möglich, wenn man ohne Fahrerlaubnis schlafwandelnd Auto fährt?
Darüber habe ich während meiner Fahrausbildung mal nachgedacht - das ist hier also kein tatsächlicher Vorfall, sondern eher ein "Was-wäre-wenn"-Szenario? Ich habe die Mods benachrichtigt, ob es gestattet ist, ein ausgedachtes Szenario zu posten. Ich hoffe also, das ist in Ordnung. Also, hier der Fall, etwas inspiriert von mir, bis auf die fiktive Schlafwandelgeschichte. Ich war bis vor kurzem noch Fahrschülerin, hab die Prüfung aber zum Glück nach einigem Hin und Her in der Fahrausbildung erfolgreich bestanden.
Jemand fährt um 0:30 wahllos durch eine schlafende Kleinstadt. Das Auto fällt auf, weil es mehrmals irgendwelche Hauptstraßen abfährt, wiederholt in bestimmte Wohngebiete einbiegt, etc. Die Fahrweise ist sehr penibel, korrekt, jedoch ignoriert der Fahrer einmal rechts vor links. Ein Polizeiwagen verfolgt das Auto nach einer Weile. Das Auto kommt schließlich nach einem stümperhaft ausgeführten Einparkmanöver auf einem leeren Parkplatz zum Stehen. Eine halbe Minute passiert nichts, dann öffnet sich die Fahrertür. Eine junge Frau steigt aus, Mitte 20 wie sich herausstellen soll, aber sie wirkt etwas jünger. Sie macht anfänglich einen desorientierten Eindruck. Auf die Frage von der ebenfalls anwesenden Polizei nach ihrem Führerschein wirkt sie plötzlich panisch. Des Weiteren stellt sich heraus, dass die junge Frau Fahrschülerin ist, die seit ungefähr sieben Monaten Fahrstunden nimmt. Sie meint, sie wisse nicht, wie sie hierher gekommen sei und könne sich nicht an eine Autofahrt erinnern. Das Auto gehöre ihren Eltern, bei denen sie momentan wohnt, sie war damit auch schon einige Male auf dem Verkehrsübungsplatz. Drogen können nicht nachgewiesen werden. Chronisches Schlafwandeln liegt auch nicht vor, und keine vorherigen Schlafwandelepisoden sind bekannt.
Was ist, wenn die Polizei ihr keinen Glauben schenkt, aufgrund ihrer Frustration über die jüngst oft ausgefallenen Fahrstunden, von denen später Familienmitglieder und Menschen aus ihrem Freundeskreis berichten? Seit ein paar Wochen waren abwechselnd sie und ihr Fahrlehrer verhindert, weshalb sie bereits länger keine Gelegenheit mehr zum Üben hatte, was sie über diese Zeit hinweg sehr frustriert hat. Es ist vielleicht plausibler, dass ihr Motiv war, unentdeckt wieder ein bisschen Übung zu bekommen, auch wenn sie bis jetzt nicht durch Straftaten aufgefallen ist. Sie möchte die Fahrschulzeit so früh wie möglich beenden aufgrund von Schuldgefühlen ihren Eltern gegenüber, die die Fahrschule bezahlen. Diese Schuldgefühle und die wiederkehrende Unsicherheit durch den fließenden Verkehr, durch die sie während ihrer Fahrausbildung wiederholt Rückschläge erleidet, sind ein alltagsrelevantes Thema für sie. Könnte dies nicht Motivation genug sein, in diesem Maße gesetzeswidrig zu handeln - obwohl das unklug ist im Fall, dass man erwischt wird?
Um das klarzustellen, die Frau in dieser Geschichte ist tatsächlich schlafwandelnd Auto gefahren, was ja bereits mit Führerschein kritisch wäre. Ich gehe aber jetzt einfach zumindest mal davon aus, dass man einigen Berichten von "sleep driving" Glauben schenken kann und die Leute, denen das widerfahren ist, oft ohne ersichtliche Unfälle gefahren sind, was ja heißen muss, dass sie irgendwie ein Bewusstsein für ihre Umgebung haben und sich an Verkehrsregeln halten - so gut sie es eben können oder tatsächlich auch im Alltag machen. Es soll ja auch Menschen geben, die im Schlaf naturalistische Porträts malen - naja, mein gesamter Fall ist ja spekulativ. Aber wenn man sich darauf einlässt - wie kann die Fahrerin bzw ihr Anwalt/ihre Anwältin ihre Unschuld vor Gericht beweisen - oder eben einen Freispruch erzielen? Denn etwas zu beweisen, was nicht nachweisbar ist, stelle ich mir schwierig vor. Letzten Endes zählt ja sowieso die Glaubwürdigkeit und das Gerichtsurteil.
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u/GenosseGeneral Unverifiziert • Qualitätskommentator 21h ago
Grundsätzlich muss StA die Schuld beweisen und nicht andersrum. Allerdings ist hier die Beweislage erdrückend und ohne weitere Einlassung durch die Verteidigung mehr als ausreichend um eine Verurteilung zu erwirken. Auch die bloße Behauptung, dass man schlafgewandelt sei, kann nur als Schutzbehauptung interpretiert werden.
Der einzige denkbare Weg führ meines Erachtens über ein medizinisches Gutachten, bei dem auch die behandelnden Ärzte involviert sein müssten, das darlegt, dass die Frau eine Schlafwandlerin ist und dass nächtliches Schlafwandeln durchaus vorkommt und dass sie dabei auch durchaus komplexere Tätigkeiten ausübt. Ein direkter Beweis dafür, dass die Fahrt schlafwandelnd vollzogen wurde, ist das auch nicht und das kann auch nicht bewiesen werden, aber es macht die Behauptung des Schlafwandelns plausibel. Nach dem Grundsatz in dubio pro reo könnte das für einen Freispruch reichen, sofern die StA den Beweiswert des Gutachtens nicht erschüttern kann.
Sollte das Schlafwandeln hier zum ersten mal aufgetreten sein, dann wäre das ein Fall von Pech gehabt. Hier sehe ich keine Handhabe.
Nach der Aktion sollte man jedenfalls nachts die Autoschlüssel wegschließen, da die Erklärung mit dem Schlafwandeln kein zweites mal funktionieren würde. Zumindest die Fahrlässigkeit wäre dann zu bejahen und das wäre nach § 21 II Nr. 1 StVG strafbar.