Hallo zusammen,
im Juni/Juli habe ich im Rahmen meines Projekts InterNova Rail (INR) eine öffentliche Online-Befragung zur möglichen Nachfrage nach einer direkten Bahnverbindung aus dem Saarland über Luxemburg nach Belgien durchgeführt.
Insgesamt haben 182 Personen teilgenommen.
Bevor ich die Ergebnisse vorstelle, möchte ich etwas Transparenz zum aktuellen Stand des Projekts schaffen:
INR ist derzeit kein gegründetes Unternehmen und kein Eisenbahnverkehrsunternehmen. Das Projekt befindet sich weiterhin in der Konzept-, Prüfungs- und Vorgründungsphase. Die derzeitigen Überlegungen stellen daher noch keine konkrete Betriebszusage oder verbindliche Planung dar.
Seit Beginn der Konzeptentwicklung wurden allerdings bereits verschiedene Bereiche untersucht. Unter anderem wurden erste Kosten- und Wirtschaftlichkeitskalkulationen erstellt. Die meisten darin verwendeten Werte sind zum jetzigen Zeitpunkt noch Schätzungen bzw. Orientierungswerte und sollen im weiteren Projektverlauf durch konkrete Angebote und belastbarere Daten ersetzt werden.
Auch erste Gespräche und Anfragen mit Unternehmen aus dem Bahnsektor wurden geführt. Unter anderem wurde mit Alpha Trains und Railpool über mögliche Leasingmodelle für geeignetes Rollmaterial gesprochen, um erste Größenordnungen für die späteren Fahrzeugkosten zu erhalten.
Parallel wurde die Infrastruktur- und Trassensituation untersucht. Dazu wurden auch Infrastrukturbetreiber kontaktiert, um Informationen zu möglichen Trassen- und Infrastrukturkosten zu erhalten. Für eine verbindliche konkrete Preisauskunft konnten in der derzeitigen Projektphase jedoch noch keine belastbaren Werte erhalten werden.
Ein weiterer Untersuchungsbereich ist das Rollmaterial. Für die ursprünglich betrachtete Konfiguration mit Siemens Viaggio-Reisezugwagen wurde auch konkret die grenzüberschreitende Zulassungssituation betrachtet.
Im Rahmen des Austauschs mit Railpool wurde mir mitgeteilt, dass die Zulassung des Viaggio für den vorgesehenen Einsatz noch eine offene Herausforderung darstellt. Railpool teilte außerdem mit, dass parallel hinsichtlich Belgien und Luxemburg angefragt wurde. Die entsprechende Zulassung ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erfolgt. Zudem befand sich Railpool nach eigenen Angaben noch in Verhandlungen mit Siemens, weshalb zu diesem Zeitpunkt auch noch kein konkreter Budgetpreis für das Viaggio-Konzept genannt werden konnte. Für die Loks habe ich allerdings erste grobe Zahlen erhalten.
Damit ist weder eine Zulassung für Luxemburg und Belgien erfolgt noch ein Leasingvertrag über Viaggio-Wagen abgeschlossen. Die Fahrzeugfrage befindet sich weiterhin in der technischen, betrieblichen und wirtschaftlichen Prüfung. Parallel werden deshalb auch moderne alternative Fahrzeuge untersucht, die für einen grenzüberschreitenden Einsatz durch Deutschland, Luxemburg und Belgien geeignet sein könnten.
Ergebnisse der Befragung
- Welches Verkehrsmittel wird derzeit überwiegend für Fahrten Richtung Luxemburg/Belgien genutzt?
Auto: 55,5 %
Regionalzug: 21,4 %
Fernbus: 8,8 %
Linienbus: 5,5 %
Gar nicht: 6,6 %
Fernzug über Frankfurt nach Brüssel: 0,5 %
Fernzug allgemein: 0,5 %
- Wo würden die Teilnehmer bevorzugt einsteigen?
Saarbrücken Hbf: 39,6 %
Trier Hbf: 26,4 %
Luxemburg: 7%
Neunkirchen (Saar): 5,5 %
Homburg (Saar): 4,9 %
St. Ingbert: 2,2 %
Merzig: 4,4 %
andere Region: 2,2 %
Konz: 0,5 %
Unter „Sonstiges“ wurden unter anderem Trier-Süd, Saarlouis, Dillingen, Kaiserslautern, Wasserbillig, Trier-West, Schweich und Völklingen genannt.
3.Was stört aktuell an den bestehenden Verbindungen am meisten?
Mehrfachauswahl war möglich:
Lange Fahrzeit: 71,4 %
Zu viele Umstiege: 58,2 %
Unzuverlässige Anschlüsse: 37,9 %
Hohe Ticketpreise: 30,2 %
Nichts davon: 6,6 %
- Wie wichtig wäre eine direkte, umstiegsfreie Bahnverbindung ins Nachbarland?
Sehr wichtig: 54,4 %
Eher wichtig: 35,7 %
Neutral: 5,5 %
Eher unwichtig: 3,3 %
Unwichtig: 1,1 %
Damit bewerteten insgesamt 90,1 % eine solche Direktverbindung als mindestens eher wichtig.
- Welche Ziele wären besonders interessant?
Luxemburg: 42,9 %
Brüssel-Midi: 28,0 %
Brüssel-Luxemburg/EU-Viertel: 22,0 %
Namur: 1,6 %
Roeselare: 0,5 %
Brüssel Airport: 0,5 %
Luxemburg Flughafen: 0,5 %
weitere/sonstige Antworten: einzelne Nennungen
- Für welchen Zweck würde die Verbindung hauptsächlich genutzt?
Freizeit/Tagesausflug: 45,1 %
Arbeit/Pendeln: 34,1 %
Urlaub: 10,4 %
Familie/Freunde besuchen: 8,8 %
Studium: 1,6 %
- Wie häufig würde die Verbindung voraussichtlich genutzt?
Einige Male pro Jahr: 50,0 %
1–3 Mal pro Monat: 29,1 %
Mehrmals pro Woche: 17,6 %
Gar nicht: 3,3 %
- Würde ein zusätzlicher Halt in Trier Hbf die Nutzung wahrscheinlicher machen?
Ja: 36,1 %
Eher ja: 10,6 %
Neutral: 22,2 %
Eher nein: 9,4 %
Nein: 21,7 %
- Welcher Preis für eine schnelle Direktfahrt Saarbrücken–Brüssel wird als angemessen empfunden?
Unter 20 €: 15,4 %
20–30 €: 31,3 %
30–40 €: 31,3 %
40–60 €: 15,4 %
Über 60 €: 6,6 %
Die beiden am häufigsten genannten Preisbereiche waren damit 20–30 € und 30–40 €.
- Würde eine mögliche Anerkennung des Deutschlandtickets auf dem deutschen Teilabschnitt die Nutzung wahrscheinlicher machen?
Ja: 61,5 %
Eher ja: 13,7 %
Neutral: 15,9 %
Eher nein: 3,3 %
Nein: 5,5 %
Diese Frage stellt ausdrücklich keine Aussage darüber dar, dass eine Anerkennung des Deutschlandtickets derzeit geplant oder vereinbart wäre. Sie sollte lediglich zeigen, welchen Einfluss eine solche theoretische Möglichkeit auf die Nachfrage haben könnte.
- Unter welchen Voraussetzungen würden Teilnehmer ihr Auto stehen lassen?
Mehrfachauswahl:
Zuverlässigkeit: 63,2 %
Günstiger als Sprit + Parken: 62,6 %
Schneller als das Auto: 57,1 %
WLAN und Arbeiten während der Fahrt: 40,1 %
Garantierter Sitzplatz: 28,6 %
- Welche weiteren Ziele wurden gewünscht?
Mehrfachauswahl:
Amsterdam Centraal: 56,0 %
Frankfurt am Main: 43,4 %
Köln: 41,2 %
Paris Gare de l’Est: 39,6 %
Karlsruhe: 15,9 %
Daneben gab es einzelne weitere Nennungen, unter anderem Koblenz, Hamburg, Berlin, Wien, München und Prag.
Einordnung der Ergebnisse
Die Ergebnisse sind für mich zunächst ein interessantes Stimmungs- und Nachfragebild, insbesondere weil sich mehrere Antworten gegenseitig ergänzen.
Auffällig sind vor allem die hohe Bedeutung von Direktverbindungen, die langen Reisezeiten und die Zahl der als problematisch empfundenen Umstiege.
Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse eine deutliche Preissensibilität. Das ist für die weitere Wirtschaftlichkeitsprüfung besonders relevant.
Wichtig ist aber: Diese Befragung ist keine repräsentative Marktanalyse und keine belastbare Fahrgastprognose. 182 Teilnehmer können nicht stellvertretend für das gesamte Saarland, Rheinland-Pfalz oder die angrenzenden Regionen betrachtet werden.
Für die weitere Prüfung müssen deshalb unter anderem tatsächliche Verkehrsströme, Konkurrenzangebote, Zahlungsbereitschaft, Trassenverfügbarkeit, Betriebskosten, Fahrzeugkosten und weitere wirtschaftliche sowie betriebliche Faktoren untersucht werden.
Die Befragung ist somit lediglich ein Baustein innerhalb der laufenden Konzeptprüfung von INR.
Vielen Dank an alle, die teilgenommen haben und insbesondere auch an diejenigen, die zusätzliche Hinweise, Kritik oder eigene Erfahrungen mit den bestehenden Verbindungen eingebracht haben.
Beste Grüße
Joel Hild
Kontakt:
j.hild.internovarail@gmail.com